Hinter der Abkürzung ADHS verbirgt sich der Begriff Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.
ADHS ist keine Erscheinung unserer modernen Zeit, sondern eine Verhaltensstörung, die bereits seit den 1950er-Jahren systematisch untersucht wird. Lange Zeit galt sie ausschließlich als Erkrankung des Kindes- und Jugendalters. Bereits in den 1970er-Jahren wurde jedoch die Hypothese aufgestellt, dass ADHS – damals als minimale cerebrale Dysfunktion (MCD bzw. MBD) bezeichnet – auch im Erwachsenenalter fortbestehen kann.
Heute belegen mehrere Studien, dass mindestens 50 % der betroffenen Kinder die Störung bis ins Erwachsenenalter behalten.
Ursachen und Hintergründe
Heute geht man davon aus, dass es sich bei ADHS um eine neurobiologische Erkrankung handelt.
Dabei liegt eine Funktionsstörung in den Bereichen des Gehirns vor, die unter anderem verantwortlich sind für:
- Aufmerksamkeit
- Konzentration
- Planung von Handlungsabläufen
- Problemlösung
- Impulskontrolle
Diese Funktionsstörung wird durch genetische und Umweltfaktoren beeinflusst. Besonders ausgeprägt ist dabei die genetische Komponente:
Bis zu 35 % aller Kinder mit ADHS haben einen Verwandten ersten Grades, der ebenfalls betroffen ist.
Im Laufe der Entwicklung wirken jedoch auch zahlreiche Umweltfaktoren, die den Verlauf der Störung verstärken oder abschwächen können.
Beispiele hierfür sind:
- frühe Kindheitsentwicklung
- Vernachlässigung durch Bezugspersonen
- traumatische Lebensereignisse
- emotionale Unterstützung und Förderung durch Eltern
Die Entstehung und der Verlauf von ADHS entstehen daher durch ein komplexes Zusammenspiel zwischen biologischen und Umweltfaktoren.
Behandlungsmöglichkeiten bei ADHS
Die Therapie von ADHS setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Welche davon im Einzelfall im Vordergrund stehen, hängt von der individuellen Symptomatik ab.
1. Psychoedukation und Beratung
Eine ausführliche Aufklärung über das Krankheitsbild hilft Betroffenen, ihre Symptome besser zu verstehen und angemessen damit umzugehen. Beratung und Information sind ein wichtiger erster Schritt der Behandlung.
2. Medikamentöse Behandlung
Wenn die Symptome stark ausgeprägt sind und in mehreren Lebensbereichen zu Beeinträchtigungen führen, sollte eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden.
Medikamente können dabei helfen:
- weniger reizabhängig zu sein
- sich besser konzentrieren zu können
- innere Ruhe zu entwickeln
- Entspannung zu erleben
Mit Doping hat diese Behandlung nichts zu tun. Die Verordnung erfolgt ausschließlich in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Ärzten und Fachärzten.
3. Psychotherapie
Psychotherapie unterstützt Betroffene dabei,
- das Krankheitsbild besser zu verstehen
- individuelle Kompensationsstrategien zu entwickeln
- eigene Ressourcen zu nutzen
- eine stabile Selbststeuerung und Konfliktbewältigung zu erreichen
Auch Folgeerkrankungen können dabei erfolgreich behandelt werden, zum Beispiel:
- Depressionen
- Ängste
- Störungen des Selbstwertgefühls